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Fahrradhersteller & Fahrrad / E-Bike - Lexikon

Fahrrad - Lexikon

Schlauchlosreifen sind Reifen, bei der eine komplett Luftdichte Felge zum Einsatz komm, sowie ein kompatibler Reifen, anstatt eine Schlauch wird also der Reifen selbst mit Luft gefüllt.

Tubeless Reifen kommen keinesfalls aus dem Fahrradumfeld, sondern wurden 1952 von der amerikanischen Firma BF Goodrich patentiert und waren schon im Jahr 1955 in Autoreifen der USA Standard. Die großen amerikanischen Firmen verhalfen durch Kooperationen mit mehreren Westdeutschenfirmen später auch in Deutschland dem schlauchlosen Reifen zum Erfolg.

Tubeless Reifen Erfindung
Der Idee wird nachgesagt sie käme aus Deutschland und das sie nur eine Art Kriegsbeute der Amerikaner gewesen sei. Dies macht auch Sinn, wenn man sich vor Augen führt, dass die deutsche Firma Continental AG schon 1943 versuchte hatte ein Patent für schlauchlose Reifen anzumelden, was sich aber aufgrund der herrschenden Kriegssituation und Skepsis des Patentamtes lange verzögerte. So bekamen diese erst 1951 rückwirkend für 1943 ein Patent darauf ausgestellt.
Die Unterlagen dieser Patentanmeldung lagen für lange Zeit bei US-amerikanischen Behörden, eine Übernahme der Idee scheint also wahrscheinlich.

Der Erfolg der Tubeless Reifen in den USA, veranlasste die dortigen Firmen aufgrund Gewinnbestrebens die Partnerschaft mit europäischen Firmen zu suchen, um diese auch dort gewinnträchtig zu vermarkten. So schlossen nach und nach Amerikanische Reifenhersteller mit deutschen Firmen einen Pakt. Die erste Firma dabei war die Harburger Gummiwarenfabrik namens Phoenix AG, welche mit der um den Faktor 10 größeren US Firma Firestone Tire und Rubber Co. Einen Partnerschaftsvertrag abschloss, welcher bald in einer 25 prozentigen Beteiligung Firestones an Phoenix mündet. So kam es zu immer mehr Kooperationen zwischen großen Amerikanischen Produzenten und deutschen Reifenherstellern wie z.B. auch der Continental AG aus Hannover, welche sich mit der damalig größten Gummigesellschaft der USA Goodyear zusammen taten.

Anfang 1955 hatten mehre große deutsche Firmen verkaufsreife Schlauchlosreifen in Petto, den Startschuss zum Verkauf gab aber die kleine Münchner Firma Metzler Gummiwerke, welche im Jahr zuvor auf der Hauptversammlung erste Andeutungen zur Markteinführung gab. Nun sah sich gerade Continental durch ihre erteilten Patente ihre Stunde gekommen, da andere Firmen gezwungener Maßen ähnliche Techniken zur Dichtung verwenden mussten. So begann dann nach und nach auch in Westdeutschland der Siegeszug von Tubeless Reifen am Auto.

Vorteile der Tubeless Reifen
Ein großer Teil der Pannen am Rad kommt durch zu geringen Luftdruck zustande. Dann kommt es vor, dass sich der Schlauch zwischen Felge und Druckpunkt, wie z.B. einer Bordsteinkannte einklemmt und sich zwei kleinere Löcher bilden. Hier hat ein schlauchloser Reifen den klaren Vorteil, dass schlichtweg kein Schlauch vorhanden ist, welcher sich einklemmen könnte. Doch auch bei gewöhnlichen Pannen, wie dem Überfahren eines spitzen Gegenstandes, können Tubeless Reifen Hilfe leisten. Bei dieser Reifengattung ist es nämlich üblich schon vor einer Panne eine Dichtmilch in den Reifen zu geben. Die Dichtmilch findet auch im konventionellen Fahrradschlauch/Reifen Einsatz, dort jedoch eher nach einer Panne und dem drauf folgenden Stopp. Durch das präventive Einfügen der Dichtmilch am Schlauchlosreifen, füllt sich bei einer Panne bis zu einer Größe von etwa 1-2 Millimetern, dass Loch selbst auf und ist somit erfolgreich abgedichtet. Im besten Falle findet die Abdichtung ohne signifikanten Durchverlust statt, sodass ohne anzuhalten weitergefahren werden kann, trotz Panne. Nur bei größeren Löchern versagt diese Schutzmaßnahme. In diesem Fall kann aber immer noch ein Schlauch eingelegt werden, und der Tubeless-Reifen als normal Fahrradreifen fungieren.

Durch die Beseitigung Gefahr der sogenannten Snake-Bites aufgrund zu geringen Drucks, kann der Reifen mit etwa einem Bar weniger gefahren werden, als das Pendant mit Schlauch. Dies bringt neben mehr Komfort eine gesteigerte Kurvensicherheit sowie höhere Traktion der Reifen mit sich. Gerade bei Rennrädern ist dies praktisch, da diese sehr schmale Reifen nutzen, was sehr unkomfortabel ist und sich negativ auf die Haftung der Reifen auswirkt im Vergleich zu z.B. Mountainbike-Reifen.

Dadurch, dass keinerlei Schlauch verwendet wird, fällt das Gewicht selbst im Vergleich zu den leichten Faltreifen, meist etwas geringer aus als das der gewöhnlichen Reifen + Schlauchkombination, sogar trotz Einsatz von Dichtmilch.

Nachteile von Tubeless
Da Felge und Reifen komplett dicht abschließen müssen, sehen sich Felgen- und Reifenhersteller mit denselben Problemen konfrontiert, wie damals bei der Einführung der schlauchlos Technologie am Autoreifen. Neben Herausforderungen bei Dichtungsmaßnahmen ist vor allem ein spezifisches Fahrradmerkmal ein Problem – das Gewicht. Die Hersteller müssen es schaffen eine Felge / Reifen herzustellen, welcher sehr leicht ist aber gleichzeitig allen Belastungen standhält. Sei es eine starke Erhitzung der Felge durch das Bremsen mit Felgenbremsen oder das Verziehen des Reifens durch die Spannung der Speichen. Diese Probleme treten bei Autoreifen so nicht auf, da hier das Gewicht eine eher nebensächliche Rolle spielt. Zudem muss die Montage des Reifens einfach sein und in Falle eines Rennradreifens auch hohen Drücken über längere Zeit standhalten.

Im Vergleich zu den auf Rollwiderstand optimierten normalen Reifen, schneiden schlauchlose Reifen meist etwas schlechter ab. Hierbei muss anders als bei gewöhnlichen Reifen zuerst auf die richtige Dichtung und ähnliches geachtet werden, anstatt auf die Optimierung der Leistung. In Vergleich mit diesen zeigt sich wie unterschiedlich hier die Werte ausfallen, teils wenige Prozentpunkte schlechter bis hin zu kleinen zweistelligen prozentualen Unterschieden. Hier muss jeder für sich selbst unterscheiden, ob die Vorteile beim Pannenschutz die Leistungseinbußen überwiegen.

Der wahrscheinlich größte Nachteil der Tubeless-Technologie sind die hohen Kosten, alleine schon für die Reifen. Gute Tubeless-Reifen fangen ab etwa 40 Euro an pro Reifen, gerade im Rennradbereich aber sind die Reifen gerne auch mal etwas teuer. Gute Einsteigerfelgen für den Einsatz von Tubeless-Reifen finden sich pro Laufradsatz ab etwa 200 Euro. Es gibt auch sogenannte Tubeless-Ready Laufräder, welche theoretisch für den Einsatz von Schlauchlosreifen nachgerüstet werden können, diese sind etwas billiger aber oft auch nur ein Kompromiss.

Einsatz
Schlauchlose Reifen fanden anfangs vor allem beim Mountainbike Anklang, später dann gab es auch erste Versuche zur Etablierung im Rennradbereich durch Shimano. Das Fehlen von Standards sowie die schwierige Montage machten es dem Erfolg der fürs Fahrrad neuen Reifengattung jedoch recht schwer. Dazu trug auch bei, dass die proklamierten Vorteile von Schlauchlosreifen von Herstellern meist nicht wirklich erfüllt werden konnten. Inzwischen hat sich die Technologie gut weiterentwickelt, immer mehr Hersteller drängen mit ausgereiften Produkten auf den Markt und buhlen um Käufer, vor allem auch mit Tubeless-Ready oder Tubeless-Easy Reifen, welche vom Aufbau für die Umrüstung auf Tubeless optimiert sind.

 
 

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